Scheidung

Der Weg zu einer Scheidung ist im Wesentlichen immer gleich. Aber natĂŒrlich gibt es jeweils auch Unterschiede im Detail, die das Verfahren deutlich verĂ€ndern, insbesondere verlĂ€ngern oder auch verkĂŒrzen können.

Der allererste Schritt ist zunĂ€chst, dass sich die Partner trennen. Im Regelfall geschieht dies dadurch, dass (mindestens) einer von beiden aus der Ehewohnung auszieht. Jedoch ist es – wenn man es richtig macht – auch möglich, dass eine Trennung in der gemeinsamen Wohnung erfolgt. Wichtig hierbei ist, dass ab dem 01. Januar die Steuerklassen geĂ€ndert werden mĂŒssen, der auf die Trennung folgt, die Steuerklassen Wahl 3 / 5 nicht mehr zulĂ€ssig ist. Die Steuerklassen mĂŒssen dann auf 1 bzw auf 2, falls Kinder betreut werden, umgestellt werden.

Nach der Trennung folgt dann der Scheidungsantrag bei Gericht. Die Ehe ist aus Sicht des Juristen zunÀchst einmal nur ein Vertrag. Aber es ist der einzige Vertrag nach deutschem Recht, der zwingend durch Gestaltungsurteil, hier dem Scheidungsbeschluss, aufgehoben werden muss. Eine Scheidung ohne Gericht ist in Deutschland nicht möglich.

FĂŒr eine Scheidung ist zwingend ein Rechtsanwalt erforderlich, weil lediglich ein Anwalt im Verfahren AntrĂ€ge stellen kann. Die Ehepartner selbst können keine AntrĂ€ge stellen. Der hĂ€ufig geĂ€ußerte Wunsch, gemeinsam einen Anwalt zu nehmen, funktioniert rechtlich so nicht. Ein Anwalt ist immer Parteivertreter. Aber möglich ist, dass nur einer der Ehepartner einen Anwalt nimmt und der andere keinen Anwalt beauftragt. In FĂ€llen, in denen sich die Ehepartner dem Grunde nach einig sind, begleiten wir auch regelmĂ€ĂŸig die Scheidungen in dieser Weise.

Der gerichtliche Scheidungsantrag ist im Regelfall erst nach Ablauf des Trennungsjahres zulÀssig. Das Trennungsjahr beginnt ab dem Zeitpunkt, an dem sich die Ehepartner trennen; spÀtestens also ab dem Auszug aus der Ehewohnung.

In HĂ€rtefĂ€llen kann u. U. auch ein Scheidungsantrag vor Ablauf des Trennungsjahres zulĂ€ssig sein. Voraussetzung hierfĂŒr ist, dass einem der Ehepartner allein das auf dem Papier verheiratet sein unertrĂ€glich ist. Nur (unbedingt) geschieden werden zu wollen, reicht nicht aus. Ein solcher HĂ€rtefall liegt u. a. hĂ€ufig im Falle von Gewalt vor.

Denkbar ist auch, dass eine Scheidung aus HĂ€rtegrĂŒnden nicht erfolgen kann, weil die Scheidung fĂŒr einen der Beteiligten unertrĂ€glich ist. Hierdurch kann zwar die Scheidung letztlich nicht verhindert, aber u. U. durchaus deutlich verzögert werden. Nach Ablauf eines Trennungszeitraums von mehr als drei Jahren kann eine Scheidung kaum mit Aussicht auf Erfolg verhindert werden.

Im Rahmen der Scheidung wird u. U. der Versorgungsausgleich ĂŒber die in der Ehezeit erworbenen Rentenanwartschaften durchgefĂŒhrt. Dies hĂ€ngt zum einen davon ab, ob die Parteien einen Ehevertrag geschlossen haben, der den Versorgungsausgleich womöglich ausschließt. Zum anderen wird geprĂŒft, ob zum Zeitpunkt des Scheidungsantrages die Parteien bereits seit ĂŒber drei Jahren miteinander verheiratet sind. Bei kurzen Ehen unter drei Jahren Dauer findet der Versorgungsausgleich nur auf Antrag statt, wĂ€hrend er ansonsten zwingend durchzufĂŒhren ist, wenn er eben nicht ausgeschlossen ist.

Ohne DurchfĂŒhrung des Versorgungsausgleiches dauert ein Scheidungsverfahren ca. zwei – drei Monate; je nachdem wie schnell das Gericht einen Termin zur VerfĂŒgung stellen kann. Sofern der Versorgungsausgleich durchgefĂŒhrt werden muss, dauert ein Scheidungsverfahren nach Auskunft des Statistischen Bundesamt ca. zehn Monate.

Im Scheidungstermin werden die Scheidungsvoraussetzungen geklÀrt. Hierzu stellt der Richter im wesentlichen vier Fragen, nÀmlich

  1. Seit wann sind Sie verheiratet?
  2. Seit wann leben Sie getrennt?
  3. Betrachten Sie die Ehe als gescheitert?
  4. Möchten Sie geschieden werden?

Wenn beide Ehepartner diese Fragen entsprechend beantworten und die Scheidungsvoraussetzungen vorliegen, wird die Ehe geschieden und hierbei ggf. der Versorgungsausgleich durchgefĂŒhrt.

Sofern beide Ehepartner durch einen Rechtsanwalt vertreten werden, können die AnwĂ€lte ggf. fĂŒr die Parteien einen Rechtsmittelverzicht erklĂ€ren. So können die Parteien noch am selben Tag rechtskrĂ€ftig geschieden werden.

Ansonsten muss die gesetzliche Rechtsmittelfrist abgewartet werden. Zum Abschluss des Verfahrens erhalten die Parteien durch das Gericht – ggf. ĂŒber die eigenen AnwĂ€lte – den Scheidungsbeschluss mit dem Rechtskraftvermerk zum Nachweis dafĂŒr, dass die Ehe rechtskrĂ€ftig geschieden ist.

Scheidung was last modified: August 25th, 2015 by verwalter
Rechtsanwalt

Kai Breuning

Arbeitsrecht, Erbrecht, Wirtschaftsrecht, Verkehrsrecht und Fachanwalt Familienrecht

post@kanzlei-am-mohnhof.de

Als Anwalt möchte ich Sie juristisch so beraten, dass Sie zu Ihrem Recht kommen. Als Mensch ist mir wichtig, eine fĂŒr Sie auch wirtschaftlich und emotional sinnvolle Lösung zu erzielen.

Kai Breuning

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